Unsere Kinder in Kham

Monlam Gyamtso und Urgyan Lhakyi

Monlam Gyamtso ist mit seinen vier Jahren das absolute Nesthäkchen der Tadraschule!

In der Regel nimmt das Tadra-Projekt keine Kinder unter fünf Jahren auf. Jede Hausmutter versorgt in ihrem Haus 10-15 Kinder, es wäre eine zu große Belastung, sie auch noch mit der Betreuung von Kleinkindern zu beauftragen. Zudem möchte das Tadra-Projekt den Kindern eine gute Schulbildung zukommen lassen, dafür sind Kinder unter fünf Jahren noch viel zu klein.

Bei Monlam Gyamtso und seinen Geschwistern wurde jedoch eine Ausnahme gemacht. Als der Kleine gerade sechs Monate alt war, verstarb seine Mutter und ließ nicht nur ihn sondern sechs weitere Kinder zurück. Der Vater bemühte sich zwar, die Familie zu versorgen. Da er aber ein Alkoholproblem hat und nicht richtig arbeiten konnte, war er dazu kaum in der Lage. Als unser Dorfleiter Jampa von der Familie hörte und sie in einer Nomadensiedlung in der Nähe von Tawu besuchte, waren die Kinder schon halb verhungert, besonders dem Baby, Monlam Gyamtso, ging es sehr schlecht.

Um die Kinder vor dem sicheren Tod zu retten, wurden deshalb die vier jüngsten Geschwister ins Kinderdorf geholt. Die Hausmutter aus dem Patrick-Haus war dazu bereit, sich um Monlam Gyamtso zu kümmern, die anderen Geschwister wurden auf die übrigen Häuser verteilt, darunter auch die damals dreijährige Orgyan Lhakyi. Inzwischen ist Monlam Gyamtso der Liebling aller Kinder, Hausmütter und Lehrer, und alle kümmern sich gemeinsam um ihn.

Als wir im Winter 2008 erfuhren, dass Monlam Gyamtsos ältere Geschwister von ihrem Vater als Hausdiener an reiche Familien verkauft worden waren, entschlossen wir uns, die älteren Kinder ebenfalls im Kinderdorf aufzunehmen. So leben inzwischen alle Geschwister gemeinsam in unserem Kinderdorf.

Monlam und seine Geschwister kurz nachdem ihre Mutter gestorben war.
Monlam mit Jampa.
Urgyan bevor sie ins Kinderdorf kam.
Ein Jahr später im Kinderdorf.

Namka

Namka mit 16 Jahren.

Als der Nomadenjunge Namka aus Sertal in der Tadra-Schule aufgenommen wurde, war er bereits zehn Jahre alt. Einige Jahre zuvor war seine Mutter verstorben, der Vater ließ seinen kleinen Bruder Lhado und ihn daraufhin alleine zurück. Da keiner der Verwandten bereit war, die beiden Jungen aufzunehmen, lebten sie ein Jahr lang alleine in einer kleinen Baracke. Namka kümmerte sich um seinen kleinen Bruder, die beiden waren völlig auf sich alleine gestellt und ernährten sich mit Abfällen, die sie in den Mülltonnen fanden. Schließlich nahmen die Großeltern Lhado bei sich auf, Namka jedoch gaben sie zu einer fremden Familie. Dort musste er bereits mit acht Jahren jeden Tag von früh bis spät die Yaks hüten, Feuerholz besorgen und viele andere Aufgaben übernehmen.

Als Namka im Winter 2001 ins Tadra-Dorf geholt wurde, war er deshalb unheimlich froh und dankbar und verbringt selbst die Neujahrsferien im Kinderdorf. Er hat sich stets bemüht, seine Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, indem er den Schülern, der Dorfleitung, sowie auch den Lehrern geholfen hat wo er nur konnte. Aufgrund dessen entwickelte er sich schnell zu einer absoluten Vertrauensperson und hat über die Jahre hinweg immer mehr außerschulische Verantwortungen im Kinderdorf übernommen.

Da Namka, bevor er ins Tadra-Dorf kam, nie die Schule besucht hatte, fiel es ihm zunächst schwer, sich in den Unterrichtsbetrieb einzufinden. Seine Leistungen waren eher schlecht. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich Namka aber zu einem der besten Schüler seiner Klasse. Nachdem er die Abschlussprüfung der Grundschule erfolgreich bestanden hatte, konnte er sogar die Mittelschule überspringen. Namka fällt auch durch seine außergewöhnlich guten Englischkenntnisse auf, er ist der Übersetzer der Tadraschule und hilft in den Ferien sogar beim Unterrichten.

Seit zwei Jahren besucht Namka nun die Oberschule. Seine Examensergebnisse sind hervorragend. Später möchte Namka tibetische Medizin studieren, denn bereits als seine Mutter starb, weil die Familie nicht in der Lage war, einen Arzt zu bezahlen, entwickelte er den Wunsch, der armen Bevölkerung auf diese Weise zu helfen.

Gonchog

Konchok

Konchok ist ein sechzehnjähriges Nomadenmädchen aus Dzachukha, einer Nomadenregion viele Kilometer nördlich von Tawu. Sie kam als kleines Mädchen in das Tadra-Kinderdorf, nachdem ihre Eltern verstorben waren. Konchok hat keinerlei Verwandtschaft, die sich um sie kümmern kann oder will, sie verbringt selbst die Ferien im Kinderdorf und bekommt nie Besuch von Onkeln, Tanten oder Großeltern.

Bereits als Konchok im Tadra-Dorf aufgenommen wurde, litt sie an einer Erkrankung der Gehörgänge. Sie ist auf einem Ohr völlig taub, auf dem anderen kann sie noch ein wenig hören. Wir haben uns sehr bemüht, dieses Leiden zu beheben und waren mit Gonchog sogar im Krankenhaus in Chengdu. Leider konnten die Ärzte ihr nicht weiterhelfen, selbst ein Hörgerät verbesserte ihr Hörvermögen nicht. Trotz ihrer Behinderung findet sich Gonchog aber sehr gut zurecht. Sie geht inzwischen in die achte Klasse der Mittelschule in Dawu und ist sogar eine besonders gute Schülerin. Auch sonst nimmt Konchok an allen Aktivitäten teil. Sie tanzt gerne, beteiligt sich an Wettkämpfen und an jeder Art von Spielen. Alle Hausmütter, Lehrer und Kinder im Tadra-Kinderdorf helfen Konchok wo sie nur können und nehmen stets Rücksicht auf ihr Leiden. Konchok hat ein besonders inniges Verhältnis zu ihrer Hausmutter im Andrea-Haus und sie ist sehr hilfsbereit. Ihr Lieblingsessen ist frischer Joghurt und später möchte sie einmal tibetische Ärztin werden.

 

Sonstige Bilder

Dadul und Choesang
Ugyen Lhakyi mit Beat und Kinder
Tsering Choetso und Kunga Choekyi
Yeshe Dolma
Mönlam Gyatso und Kindern
Beat mit Jampa Lhamo und Kelsang Choedon

Kinder Bilder

Kelsang Choedon